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Die Wallbox ist Geschichte - Brusa zeigt auf der Ecartech serienreifes Induktivsystem mit nur zwei Gehäusen

16.10.13

Die Fachwelt ist perplex: Brusa präsentiert auf der Ecartec (noch bis 17.10.13) auf dem Messestand in Halle 6 eine echte Sensation: Das dort gezeigte Exponat eines induktiven Ladesystems besteht tatsächlich nur noch aus zwei Gehäusen: Der Primärspule mit direkt angeschlossenem Schuko-Kabel und der Sekundärspule mit einem Stromanschluss, der im Datenblatt schlicht mit „DS power output“ beschrieben wird. Ein zusätzlicher externer AC/DC-Wandler für die Arbeitsfrequenz von 82 – 98 kHz entfällt damit. Ebenso wie eine separate Einspeiseelektronik. Daher wird das „Inductive Charging System“ (ICS) vom Standpersonal auch schlicht als „Zwei-Komponenten-System“ beschrieben. So mancher Besucher erschien darüber sichtbar geschockt. Wenn Brusa das liefert, was auf der e-Cartec versprochen wurde, hat die Branche einen neuen Benchmark, was Bauraum und Installationsfreundlichkeit betrifft. Hätte Brusa nicht schon mit dem AC-Ladegerät für 22 kW Kompetenz in diesen Punkten bewiesen, hätte die Fachwelt das Exponat wohl schlichtweg als unglaubwürdig abgehakt.

Natürlich lagen die Fragen der Skeptiker gleich auf der Hand: Gelingt auch mit der Hochintegration der Netzfilterung die Einhaltung der Niederspannungsrichtlinie? Kann man tatsächlich auf raumgreifende und PFC so weit verzichten, dass alles in ein immer noch recht flaches Primärspulengehäuse passt? Dessen Abmessungen auf dem Messestand stimmten mit dem Datenblatt überein: 700 x 800 x 50 mm. Die Maße der Sekundärspule erinnerten an die bekannte Spezifikation von deutschen OEM: 250 x 250 x 25 mm, wobei die Befestigungsplatte beim Höhenmaß sogar noch inbegriffen ist. Für diese ergeben sich Außenmaße von 305 x 276 mm. Lediglich der DC-Anschluss ragt über die 25 mm hinaus. Der DC-Wandler aber ist integriert. Das ungläubige Nachfragen der Experten zeigte wie tief der Schock der Branche diesbezüglich sitzen muss. Obendrein soll das Sekundärteil beim Gewicht unter 4 kg bleiben.

Angesichts dieser Daten drängte sich natürlich eine Frage von so manchem Gast regelrecht auf: „Und was soll da die Erhöhung der Arbeitsfrequenz auf 140 kHz noch bringen?“ „Damit kann man vielleicht schon noch etwas Kupfer und Bauraum sparen“, lautete die vage Antwort der Brusa-Mitarbeiter, „Aber das kommt erst zur Sprache, wenn uns der OEM nach weiteren Kostensenkungspotentialen fragen sollte. Bisher steht das System so da wie vom Automobilhersteller spezifiziert.“

Das ist aber noch nicht alles: Befestigungspunkte am Sekundärgehäuse und darüber hinaus weit ausladende Traversen deuteten auf die bereits erfolgte Anpassung auf einen konkreten Fahrzeugunterboden hin. Tatsächlich sieht man bei Brusa die erste Serienanwendung auch bei einem Premiumfahrzeug. Das sollte angesichts der technischen Daten auch kein Problem sein: 3,3 kW mit einer Versatztoleranz von 100 mm in beide Richtungen, d. h. also mit einer Effizienz von über 90%. Die Kommunikation mit der Primärseite erfolgt allein über WLAN. Diese wiegt inkl. Fahrzeug-, Temperatur-, Fremdobjekt- und Lebewesenerkennung unter 20 kg und ist mit 10 kN / 200 qcm überfahrbar. „Und die Wallbox entfällt damit tatsächlich?“, lautete die am ersten Messetag wohl am meisten gestellte Frage dazu. „Ja, die ist Geschichte.“